Katrin Wöhlken

Ausflüge in und um Antigua herum

Vormittags hatte ich Zeit zur freien Verfügung, die ich für Touren in der wunderschönen Stadt Antigua nutzte oder mit den anderen Freiwilligen der Organisation Praktikawelten kleine Ausflüge machte. Wir machten eine Wanderung zum Kreuz („Caminata al Cerro de la Cruz“) und hatten einen super Blick auf die Kolonialstadt und die Vulkane, die die Stadt umgeben. Der Vulkan Agua („Vulkan Wasser“) ist am auffälligsten, weshalb er in den Straßen der Stadt gut als Orientierungspunkt dient. Dieses Hilfsmittel habe ich fast jeden Morgen während meiner Läufe durch die Stadt genutzt, um wieder sicher zu meiner Gastfamilie zu kommen. Glücklicherweise verlief ich mich nie ;), wurde aber jeden Morgen etwas komisch von den Anwohnern angeschaut, da ich trotz der hohen Touristenzahl als Läuferin etwas „Besonderes“ war.

 

Vulkan Pacaya 09.08.12

Mein erster größerer Ausflug startete am fünften Tag meines Aufenthalts in Guatemala. Sehr früh morgens fuhr ich mit drei anderen Freiwilligen zum Vulkan Pacaya. Mit Hilfe eines Führers bestiegen wir den Vulkan. Es war ein langer, steiler Weg bis oben hin. Ich konnte beobachten, wie sich die Vegetation verändert je höher wir kamen, was sehr interessant war. Zwei Einheimische mit ihren Pferden liefen neben uns her und riefen die ganze Zeit: „Taxi?“ Immer und immer wieder riefen sie und ließen nicht locker, bis eine Freiwillige sich ein Pferd „mietete“. Wir hatten alle unseren Spaß dabei. Leider konnten wir nicht bis zum Krater gehen, da dieser nicht mehr zugänglich ist. Etwas unterhalb des Punktes, bis zu dem wir gehen konnten, war ein „Lava Store“, wo ein Mann Schmuck und andere Utensilien aus Lavagestein verkaufte. Wir kamen auch zu einem kleinen Krater, aus dem so warme Luft strömte wie in einer Sauna. Ich testete es am eigenen Leib, indem ich mich in den Krater hockte. Ein lustiges Gefühl! Ich wollte gar nicht mehr hinaus, da es extrem kalt war und ich nicht so viel zum Anziehen mit hatte. Am höchsten Punkt, den wir besteigen durften, angekommen, grillten wir Marshmallows, die die Führerin einer anderen Gruppe mitgebracht hatte. Das war lustig! Ich hätte wetten können, dass am Vulkan gegrillte Marshmallows deutlich besser schmecken, allein schon wegen des ungewöhnlichen Ambientes.

Die Sicht vom Vulkan aus war leider nicht so gut, da es ziemlich neblig war. Sonst hätten wir die Hauptstadt Guatemala City sehen können.

Um noch weitere Information über den Vulkan Pacaya zu bekommen, habe ich im Folgenden einige Details aus Wikipedia herauskopiert:

Der Pacaya ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Er liegt südlich von Guatemala-Stadt, seine Eruptionen können meistens von dort beobachtet werden. Während der spanischen Kolonialzeit wurden insgesamt 23 Ausbrüche registriert. Danach ruhte die Tätigkeit ungefähr ein Jahrhundert, bis es im Jahr 1965 wieder zu einem heftigen Ausbruch kam. Seit dieser Zeit besteht eine kontinuierliche Aktivität. Die Eruptionen sind in der Regel strombolianisch mit Hunderten von täglichen Explosionen. Die strombolianischen Eruptionen werden durch Entgasung des Magmas ausgelöst, sie schleudern glühende Lavabomben oft Hunderte Meter in die Luft und produzieren auch kleinere aa-Lavaströme. Sporadisch produziert Pacaya auch mäßige plinianische Eruptionen.

Der Pacaya ist Teil einer Vulkankette, welche sich entlang der pazifischen Küste Guatemalas erstreckt und durch Subduktion der Cocosplatte unter die Karibik-Platte geformt wurde. Er ist Teil eines basaltischen Vulkankomplexes, welcher am südlichen Rand der 15 km² großen Caldera, dem Amatitlán-See liegt. Der Komplex besteht aus einem älteren Stratovulkan, der größte Teil hat sich in den letzten 23.000 Jahren aus Domen, Tephra und dem heutigen Stratovulkan gebildet. Der derzeitige Vulkankegel verändert in Abhängigkeit von den aufbauenden bzw. zerstörenden vulkanischen Kräften ständig seine Gestalt: So ist seit 1965 ist aus dem alten Cerro Chico Krater (2265 m) der McKenney Cone gewachsen, welcher mittlerweile (2010) eine Höhe von 2560 m erreicht.

 

Lago de Atitlan 11./12.08.12

Am ersten Wochenende meiner Reise fuhr ich mit einer großen Gruppe von zehn Freiwilligen zum wunderschönen „Lago de Atitlan“, der westlich von Antigua liegt. Leider hatten wir sehr schlechtes Wetter, und ich konnte den See nicht in seinen vollen Zügen genießen. Trotzdem machten wir zu allererst eine Bootstour quer über den See, und einige von uns gingen am Fuße des Vulkans San Pedro schwimmen.

Die meiste Zeit verbrachten wir auf der Einkaufsstraße von Panajachel, die sehr gekannt ist und wo man besser und günstiger Souvenirs und anderen Schnick Schnack einkaufen kann als in Antigua. Ich kaufte mir ein selbstgemaltes Bild mit dem Bogen von Santa Catalina und dem Vulkan Agua in Antigua darauf für meine Sammlung. Das ist leider schon alles, was ich erzählen kann, da wir wegen des schlechten Wetters nicht mehr unternehmen konnten.

links: Der Hafen von Panajachel, rechts: Volcán Tolimán

 

Meine letzten Tage in Antigua 28.08.-01.09.12

Wieder in Antigua angekommen, kam ich in eine andere Gastfamilie, wo wir mit sieben Freiwilligen wohnten. Am selben Abend noch ging ich zur Salsa-Tanzstunde, die von der Spanischschule organisiert worden ist. Ich lernte die ersten vier Tanzschritte, wobei ich viel Spaß hatte.

Am nächsten Tag machte ich beim „Choco Museo Antigua“ selber Schokolade. Ich lernte die Verarbeitung bzw. Herstellung von Schokolade aus den Kakaobohnen kennen. Folgende Schritte habe ich selber durchführen können:

1)    Rösten der Kakaobohnen

2)    Kakaobohne von der Schale trennen durch das Schlagen mit der Faust auf die Bohne

3)    Die reine Bohne wird gemahlen entweder per Hand oder mit der Maschine

Die restliche Verarbeitung hat dann das Museum übernommen. Damit ich für zu Hause Schokoladenpralinen machen konnte, bekam ich vom Museum flüssige Schokolade, suchte mir Formen für die Pralinen aus und bestückte diese mit verschiedenen Sachen. Kokosraspeln, Kaffeebohnen, gemahlener Kaffee, Ingwer, Kakaopulver, getrockneten Orangen, etc.

Zwei einheimische Rezepte lernte ich auch noch kennen:

1)    Mayatee

Dieser wird aus den Schalen der Kakaobohne gemacht. Die Schalen werden einfach mit heißem Wasser übergossen und müssen etwas ziehen. Schon ist der Tee fertig.

2)    Spanish Chocolate

Das Kakaopulver, das durch das Mahlen der Kakaobohne hergestellt wird, wird in etwas Milch getan und mithilfe von zwei Krügen miteinander vermengt.

Es war sehr interessant und ich hatte etwas Selbstgemachtes, was ich meiner Familie aus Guatemala mitbringen konnte.

Von der Spanischschule wurde am vorletzten Tag meines Aufenthalts ein Ausflug zu einem exotischen Museum angeboten, an dem ich teilnahm. So sehr begeistert war ich von dem Museum nicht, da es natürlich nicht europäischem Standard entsprach und die Tiere in sehr kleinen Käfigen hausen mussten. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung, da ich verschiedene Schlangen und Leguane auf den Arm nehmen durfte. Wir lernten auch das Haustier „Toto“ kennen, ein stubenreiner Leguan, der hier und da am Körper Verletzungen hat und deshalb nicht mehr frei leben kann.

Am letzten Tag nahm ich mir meinen Reiseführer und ging alle Kirchen, Klöster und Ruinen ab. Ich fotografierte alles und las den Abschnitt dazu im Reiseführer. Es waren gut über 30 Stück. Viele denken jetzt: „Wie langweilig!“, aber für mich war dies wieder ein neuer Reiz, den die Stadt ausstrahlt. Diese Seite nimmt man nicht wirklich wahr, wenn man sich nur auf Shoppen und die Märkte beschränkt. Auch durch mein tägliches Laufen morgens, kam ich in Ecken der Stadt, die manch andere Freiwillige während eines viel längeren Aufenthalts als der meinige nicht sehen.

Bogen vom Kloster Santa Catalina & Vulkan Agua im Hintergrund

 

Die Rückfahrt nach Antigua

Semuc Champey & Cavas de Lanquin 25.-28.08.12

Da die deutschen Mädels und ich nicht so gut mit den anderen Projektteilnehmern/-innen zurechtkamen (aus verschiedenen Gründen, wo wir jedoch nicht Schuld dran hatten und alles versucht haben, um mit den anderen gut zusammen zu arbeiten), reisten wir schon etwas früher vom Projekt ab und fuhren über Lanquin zurück nach Antigua.

In Lanquin besuchten wir das Paradies! Unser erster Tag begann mit dem Besuch einer Höhle, die mit Wasser gefüllt ist. Der Führer unserer Gruppe band mir meine Flip Flops mit einer Kordel an die Füße, damit ich die Schuhe nicht verlieren konnte. Mit Kerzen bewaffnet ging die Reise ins Innere der Höhle los. Es war der Hammer! Ganz vorsichtig bewegte ich mich im eiskalten Wasser vorwärts und versuchte, mit den Beinen und Knien nicht gegen herausstehende Steine zu stoßen, denn das tat verdammt weh, da sie ziemlich scharfe Kanten hatten. Ich kletterte erst eine Hängetreppe hinauf, dann kamen tiefere Stellen, wo ich hindurchschwimmen musste. Plötzlich wurde es lauter…Wir kamen an einen Wasserfall. Und nun? Von oben kam eine andere Gruppe über eine Hängeleiter den Wasserfall heruntergeklettert. Nun musste meine Gruppe diesen hinaufklettern. Mein Adrenalinpegel stieg immer höher. Ich war die Zweite, die hinaufkletterte. Meine Kerze klemmte ich in meine Bikinihose und los ging‘s. Die Wassermassen drückten von oben und ich hatte Mühe und Not, überhaupt die einzelnen Stufen der Leiter hoch zu klettern. Oben angekommen wurde mir zum Glück geholfen, von der Leiter auf die Felsen zu kommen. Trotz der Aufregung zitterte ich vor Kälte und Adrenalin am ganzen Körper.

Auf dem Rückweg fiel ich erst in ein Loch zwischen zwei Steinbrocken, rutschte dann eine kleine Rutsche hinunter und musste als letztes noch zwischen zwei Felsen hindurch, durch die das Wasser nur so schoss. Da die Führer nur Spanisch sprachen, wusste keiner, wie lang der Spalt war. Große Sache, kleine Tat! Es war nur gefühlt ein Meter, den man hindurch musste. Es sah jedoch nach viel mehr aus als es war. Zitternd vor Kälte und völlig fertig, weil ich das Gefühl hatte, 1000 Kalorien verbrannt zu haben, kam ich aus der Höhle raus und musste mich erst mal stärken. Doch lange Pause blieb mir nicht….

Es ging sofort weiter mit einer Riesenschaukel. Man setzte sich auf die Schaukel, schaukelte bis man über dem Rio Lanquin (Fluss Lanquin) war und sprang dann aus ca. 4 Metern Höhe in die Strömung des Flusses. Super lustig! Danach machten wir eine gemütliche Fahrt mit Ringen, in die man sich gesetzt hat, über den Rio Lanquin. Etwas mit den Armen paddelnd, bugsierte ich mich in die Stromschnellen, um ordentlich Fahrt aufzunehmen. Doch es war eher eine gemütliche Angelegenheit.

Schnell aus dem Fluss raus, Sachen geschnappt und ab ging es zu einer Brücke, von der die meisten unserer Gruppe heruntersprangen. Ich schaute mir alles an und war so voller Adrenalin, dass ich nicht lang wartete und auch sprang. Die Brücke war bestimmt zehn Meter hoch, was für mich eine große Überwindung war. Noch nie bin ich von so hoch oben heruntergesprungen (drei Meter im Schwimmbad waren das Höchste) und dann noch in Guatemala in einen Fluss mit nicht gerade geringer Strömung. Gut, dass ich darüber nicht nachgedacht habe!

Am Ufer angekommen war ich so platt, dass ich torkelte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für ein Tag war! Wieder bei den Mädels und meiner Gruppe, spazierten wir nun zum besagten „Paradies“ Semuc Champey. Jeder, der dort war, ist begeistert davon. Ich auch! Es ist einfach ein Naturwunder. So klares, türkises Wasser, in dem Fische schwimmen, die einem die alte Haut von den Füßen fressen, und von der Natur geschaffene Treppen und Pools in einem Fluss. Gigantisch! Bevor ich schwimmen ging, schaute ich mir die Landschaft von oben an, vom Punkt „El Mirador“, indem ich circa eine Stunde einen daneben liegenden Berg bestieg. Danach konnte ich das Wasser genießen. Ich sprang von Pool zu Pool oder rutschte die im Stein vorhandenen Rutschen herunter, schwamm durch die Becken hindurch und war fasziniert.

Bei Youtube habe ich ein schönes Video gefunden, was Semuc Champey in seinen vollen Zügen zeigt:

Ein großes Dankeschön an die Produzenten für eine solch tolle Aufnahme!

Leider war die Zeit sehr kurz und wir mussten auf der Ladefläche eines Jeeps wieder nach Lanquin zurückfahren. Jetzt kann ich behaupten, dass ich schon einmal im Paradies war. Dieser Ausflug bescherte mir einen der schönsten Tage meines Lebens!

 

 

Am nächsten Tag machten wir drei Mädels einen Ausflug in die „Cavas de Lanquin“. Wie auch bei den anderen Touren, hatten wir einen Führer, der uns erst durch die Höhle führte, zwischen Felsspalten hindurch zog und eine langbeinige Spinne suchte, die wir dann aus der Nähe begutachten konnten. Beim Sonnenuntergang begannen dann die Fledermäuse aus der Höhle zu fliegen. Ihr werdet es nicht glauben, aber es waren Millionen. Kein Scherz! Ich machte super viele Fotos und genoss das Ambiente.

 Fledermäuse verlassen die Höhle nach dem Sonnenuntergang um 18:30 Uhr

Katrin mit langbeiniger Spinne in der Höhle

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