Katrin Wöhlken

Mein Aufenthalt in Guatemala vom 4. August bis 2. September 2012

 

In Guatemala wurde ich mit starkem Regen am Flughafen und während der ganzen Fahrt nach Antigua begrüßt. Wollte ich nicht eigentlich in die Sonne? Meine Gastmutter empfing mich nach meiner langen Reise von 22 Stunden herzlich und zeigte mir mein Zimmer. Das Haus war nach europäischem Standard ausgestattet, wodurch ich darauf schließen konnte, dass die Familie zu einer der Reichen hier in Antigua zählt.

Mit zwei Deutschen und einem Amerikaner wohnte ich nun zehn Tage hier während meines Spanischkurses. Beim Essen und auch so hatten wir viel zu erzählen und super viel Spaß miteinander. Doch was erlebte ich in den zehn Tagen in Antigua, in Peten und während meines restlichen Aufenthalts???

 

Spanischsprachkurs in Antigua

Trotz der vielen Ausflüge kam das Lernen natürlich auch nicht zu kurz. Nachmittags hatte ich vier Stunden privaten Spanischunterricht von einer Lehrerin der „Escuela de Español Mundo“. Da ich nur sehr wenige Kenntnisse aus der Spanisch-AG in der Schule hatte, fing ich ganz von Anfang an. Jedoch war es recht schwer, mit der Lehrerin zu kommunizieren, da sie nur wenige Bruchteile Englisch sprach. Somit lernte ich die Anfänge der spanischen Sprache mit Wörterbuch und indem ich mir die Wörter erst ins Englische und dann ins Deutsche übersetzte. Ziemlich kompliziert! Kritisieren muss ich leider an dem Unterricht, dass ich nur die Grammatik und Verben lernte, aber nicht Texte schreiben und Worte, um einen Satz zu formulieren. Daher hatte ich keinerlei Vokabular und versuchte alle Wörter, die mir in den Sinn kamen, auf einen Zettel zu schreiben.

Trotzdem nahm ich viele Kenntnisse mit in mein Projekt und habe jetzt in Deutschland weiterhin Privatunterricht, um dann in der Uni einen Spanischkurs belegen zu können.

Homepage: Mundo Spanisch School Guatemala

 

Wildlife Projekt

Nach den zehn Tagen in Antigua fuhr ich mit einem Nachtbus und in Begleitung einer Freiwilligen namens Janett in den Norden Guatemalas nach Peten. Am Lago Péten Itzá und schräg gegenüber der Inselstadt Flores liegt ganz versteckt im Dschungel die ARCAS Wildlife Protection. Von Flores aus wurden wir zwei mit einem Boot, voll beladen mit Essen für die Tiere, zum Projekt gebracht. Die Fahrt auf dem See war schon wunderbar und das Klima hatte sich im Gegensatz zu Antigua sehr verändert. Es war schwül und die Luftfeuchtigkeit extrem hoch. Janett und ich schleppten unsere Koffer den schlecht befestigten Weg entlang zum Freiwilligenhaus. Wir waren ziemlich durch den Wind wegen der unruhigen Nacht im Bus, doch an Auspacken und Hinlegen war nicht zu denken. Sofort wurde uns die Anlage von ARCAS gezeigt und wir mussten in den Käfigen unsere Arbeit antreten, wozu ich nachher noch mehr schreibe! Total ausgehungert gingen wir dann zum Mittagessen. Erst danach konnte ich meinen Koffer auspacken und „ankommen“. Nachmittags ging ich mit den anderen Freiwilligen aus verschiedensten Ländern (Kanada, England, Dänemark, Schweiz, USA) zu einer Wasserrutsche, die direkt in den Lago Péten Itzá führte. Sehr amüsant war, dass die Rutsche ca. einen halben Meter über der Wasseroberfläche endete und man durch die hohe Geschwindigkeit ins Wasser schoss. Nach dem Abendessen fiel ich todmüde ins Bett.

So wie auch an den darauffolgenden Tagen begann der zweite Tag schon um 6:15 Uhr. Es wurden schnell die Zähne geputzt, die Arbeitskleidung angezogen und los ging es zu den Käfigen. Ich hatte mit einem Kanadier zusammen die Papageienkäfige mit jeweils 38 und 39 Tieren und einen Käfig mit einem Kinkajou. Dies ist ein Wickelbär, manchmal auch Honigbär genannt, eine in Mittel- und Südamerika lebende Art der Kleinbären, oder auch von mir beschrieben als braune Katze. Wir putzten erst die Käfige und fütterten dann die Tiere. Die Papageien schrien immer wie wild, was nicht lange auszuhalten war. Es gab auch immer ein, zwei Tiere, die jedes Mal auf meinen Rücken oder Kopf flogen und mir die Arbeit erschwerten. Ein Papagei hat mich immer an der Käfigtür geärgert, indem er auf dem Riegel saß und einfach nicht wegfliegen wollte, auch nicht, als ich ihn mit dem Besen verscheuchen wollte. Danach gab es Frühstück, was meist recht dürftig war. Deshalb kaufte ich mir am nächsten Tag Joghurt und Cornflakes im Einkaufszentrum in Flores und lagerte dies im Kühlschrank, den die Freiwilligen zur Verfügung hatten. Zum Glück! Dann gab es die Morgenbesprechung, wo Probleme geklärt wurden oder erzählt wurde, wenn ein Tier gestorben war oder andere bedeutende Sachen vorgefallen waren. Zum Schluss wurden individuelle Aufgaben verteilt, die in kleinen Gruppen erledigt werden mussten.

So gut wie jeden Tag nutzte ich die Zeit, nachdem die Aufgabe erledigt war und vor der zweiten Arbeitseinheit, um meine Lauftrainingseinheit durchzuführen. Glücklicherweise hatte ich außerhalb des Geländes von ARCAS eine geschotterte Straße gefunden. Das war meine Rettung J Ich fühlte die ersten zwei Tage (als ich die Straße noch nicht entdeckt hatte) wie eingesperrt. Fürchterlich! Doch so bekam ich meine tägliche Bewegung und war glücklich!

Schnell sprang ich nach dem Training unter die Dusche und sofort ging es wieder zur Arbeit. Putzen und füttern war wieder angesagt bei den gleichen Tieren wir am Morgen. Danach gab es Mittagessen. Die letzte Arbeitseinheit stand um 14 Uhr auf dem Plan. War diese erledigt, stand der restliche Tag zur freien Verfügung offen. Leider konnte man auf dem Gelände nicht viel machen, weshalb ich fast jeden Tag mit dem Boot nach Flores fuhr. Montags und donnerstags fuhr das Boot von ARCAS in die Stadt, an den anderen Tagen nahm ich mir das Taxiboot mit dem Fahrer Carlos, weil ich einfach nicht wusste, was ich mit dem restlichen Tag anfangen sollte.

Volunteerhouse mit 8 Zimmern je 4 Betten

Flores ist, wie oben schon erwähnt, eine Inselstadt und besteht hauptsächlich aus Hotels, Restaurants und Bars. Sie ist durch einen Damm mit der Stadt Santa Elena verbunden, wo es ein großes Einkaufzentrum mit einem Supermarkt gibt. Sonst gibt es nicht viel Interessantes in Santa Elena. Mein erster Weg war immer ins Internetcafé, um mit meinem Freund in Deutschland zu skypen. Leider gab es immer irgendein Problem. Entweder funktionierte die Webcam nicht oder das Mikrofon war nicht aktiviert. Tja, so ist das nun mal in Entwicklungsländern!

 

Ein typischer Arbeitstag auf ARCAS:

6:15 UhrWecker klingelt
6:30 Uhr

1. Schicht arbeiten

8:00 Uhr

Frühstück

8:30 Uhr

Morgendliche Besprechung

9:00 UhrIndividuelle Aufgaben
10:00 UhrNur für mich: Laufen
11:00 Uhr

2. Schicht arbeiten

13:00 UhrMittagessen
14:00 Uhr

3. Schicht arbeiten

ab 15:00 UhrFreizeit mit Abendessen um 18:00 Uhr auf ARCAS oder in einem Restaurant in Flores
Zwischen 20:00 & 21:00 UhrIns Bett gehen

 

Meine Käfige während der Zeit auf ARCAS:

Papageienkäfig Nummer 11 und 12 mit jeweils 38 Tieren

Foto und Erklärung zum Tier: Kinkajou

Falke

Erwachsene Affen

Babyaffen

Papageienkäfig mit Tukanen

 

Und auch die Homepage von ARCAS darf nicht unerwähnt bleiben: ARCAS Peten Guatemala

Mit den deutschen Freiwilligen Janett und Vanessa machte ich an einem Tag einen Ausflug nach Tikal in die Welt der Mayas. Es war ein gigantisches Erlebnis! Mein Spruch war immer: „Tikal ist Ägypten in Mittel-/Lateinamerika“! Wir hatten einen Führer gebucht, der uns zu den einzelnen Tempeln und Pyramiden führte und viele interessante Sachen über die Mayas erzählte. Natürlich war das Thema „Weltuntergang am 21.12.12“ groß im Rennen, wo er nur drüber lachen konnte. Er fand auch gleich bei der ersten Pyramide eine Tarantel, die ich unbedingt auf die Hand und den Unterarm nehmen musste. Schon ein komisches Gefühl, ein Tier auf dem Körper zu haben, das giftig ist und bei jeder kleinsten, falschen Bewegung zubeißen kann. Einer jungen Frau fiel die Tarantel runter, was sehr gefährlich war, da das Hinterteil bei einem Sturz platzen kann. Deshalb war das Tier sauer und wurde angriffslustig. Der Führer demonstrierte das Ganze noch, indem er die Tarantel mit einem Stock ärgerte. Schlimmeres passierte jedoch nicht.

Viel kann ich nicht zu Tikal schreiben, denn Bilder sagen mehr als 1000 Worte, deshalb schaut euch bitte einfach meine Bilder an! Wer mehr über die Mayastätten erfahren möchte, kann gerne folgenden Link verwenden: Die Mayas

 

 

Facebook: Kokosnussschmuggel über Atlanta und Amsterdam geglückt!

Noch kurz zu erwähnen ist der Rückflug. Glücklicherweise flog ich von Guatemala City mit zwei anderen Freiwilligen zusammen nach Atlanta und dann mit einer der beiden nach Amsterdam. Somit hatte ich während des Wartens zwischen den Flügen immer eine Gesprächspartnerin. Was ich aber erzählen wollte: Für meine Eltern und meinen Freund hatte ich eine Kokosnuss im Handgepäck, weil ich ihnen zeigen wollte, wie gut frische Kokosnüsse schmecken. Da ich über Amerika flog, gab es etwas Probleme mit den Einführungsbestimmungen. Ehrlich wie ich war, gab ich auf dem blauen Zettel an, dass ich Obst dabei hatte. Bei jeder Kontrolle wurde ich dann gefragt, was ich denn dabei hätte. Total unschuldig klärte ich die Beamten über die Kokosnuss auf. Plötzlich wurde ich bei einer Kontrolle in eine separate Schlange eingeteilt. Meine Begleiterin durfte weitergehen. Alles halb so wild, wenn meine Umsteigezeit lang genug gewesen wäre, doch während ich in der Schlange stand, begann die Boardingzeit für meinen Flug nach Amsterdam. Also fragte ich alle Personen in der Schlange, ob ich vor könnte. Super lieb ließen mich alle vor und ich war an der Reihe. Schnell erklärte ich wieder, dass ich eine Kokosnuss dabei hätte. Dann kam die Frage: „Warum?“ Als Antwort gab ich an, dass meine Eltern noch nie eine Kokosnuss probiert hätten und ich ihnen diese mitbringen würde.“ Ohne weitere Fragen durfte ich weitergehen zum Durchleuchten meines Rucksacks. Ich fühlte mich langsam wie bei der Drogenfahndung. Und so war es auch. Das Kaffeepulver und die Kaffeebohnen von anderen Reisenden wurde durchsucht und Abstriche gemacht. Mann, mann mann, was habe ich mir nur angetan mit der Kokosnuss. Die Zeit rannte mir langsam davon. Endlich war ich an der Reihe, erklärte wieder die Story mit der Kokosnuss, und der Beamte drückte einmal kräftig auf die Nuss, wobei mir ganz schlecht wurde. Dort war doch Milch drin und nur das Fruchtfleisch hielt die Milch davon ab, nicht herauszulaufen. Durch sein Drücken hätte ein Loch entstehen können (was auch so war – ist aber zum Glück nichts passiert, da ich die Kokosnuss in genügend Tüten gewickelt hatte). Endlich konnte ich weiter und bekam noch rechtzeitig meinen Flieger nach Hause…

Mit meiner Familie genoss ich später die Milch der Kokosnuss mit einem Schuss Malibu, und an die Freiwilligen in Guatemala schrieb ich bei Facebook mit Foto eine Nachricht: Kokosnuss-Schmuggel über Atlanta und Amsterdam geglückt!   

 

 Fotograph: Marcel Kirstges

 

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