Katrin Wöhlken

Mein Aufenthalt in Tansania vom 3. Juli bis 10. August 2011

Erst flog ich auf die wunderschöne Insel Sansibar, wo ich den Strand in seinen vollen Zügen genießen konnte, da ich mit einem anderen Freiwilligen der Organisation World Unite viele Reisen auf der Insel unternahm. Meine Tätigkeit vor Ort war jedoch das Leichtathletikcoaching bei dem einheimischen Verein „Zanzibar Amateur Athletics Association (ZAAA)“. Morgens oder nachmittags coachte ich für circa zwei bis drei Stunden die Sportler in den unterschiedlichen Disziplinen der Leichtathletik. Der Verein war verhältnismäßig gut ausgestattet durch ein neues Stadion, jedoch waren die Geräte wie Disken, Speere, Kugeln, etc. rar. Ich entwarf jeden Tag einen neuen Trainingsplan und arbeitete mit zwei anderen Trainern zusammen. Die Sportler waren sehr nett, jedoch gab es mit den Trainern manchmal Komplikationen....

Nach vier Wochen auf der traumhaften Insel ging es dann mit dem Flieger über Dar es Salaam nach Moshi zum Kilimanjaro. Dort machte ich bei dem Voluntourismus von Wolrd Unite mit. Dieses Angebot bestand aus einer Kombination aus Freiwilligenarbeit und Ausflügen. Ich arbeitete dort in der Tierarztpraxis „Mawenzi Vet", wo ich bei vier Tierärzten auf einer Vesper mit zu den Einheimischen nach Hause fuhr und dort die Tiere behandelte. Es war sehr interessant und ich sah viel Neues.

Unter den folgenden Kapiteln erfahrt ihr mehr über meine Tätigkeiten vor Ort!

 

Leichtathletikcoaching auf Sansibar

Zum ersten Mal mit dem Roller zur Arbeit!

Um 10:30 Uhr holte mich Freddy, ein Mitarbeiter von World Unite, in meiner Wohngemeinschaft ab und wir fuhren mit dem Daladala zum Büro. Dort trafen wir zwei Männer auf Rollern. Noch nie saß ich auf einem Roller und nun das erste Mal in Afrika. Ich hatte panische Angst herunter zu fallen, als wir zum Amaani Stadion fuhren. Nach wenigen Minuten und etwas Gewöhnung war es jedoch richtig cool! Das Amaani Stadion war ein neugebautes Stadion fast internationalen Standards mit Tartanbahn, Kugel-, Diskus-, und Hammerring, einem Speeranlauf, einer Weitsprunganlage und einer Vorrichtung zum Stabhochsprung sowie zum Hindernislauf. Klasse! Ich war begeistert! Es wurde mir als Erstes auf der Tribüne der Raum mit den Computern für die Zeitungen und die Bilder der Präsidenten Tansanias und Sansibars gezeigt. Das war es erst mal, denn die Athleten hatten vormittags trainiert. Ich sollte nachmittags wiederkommen und mir meinen Zeitplan zum Arbeiten abholen.

 

Um 15:30 Uhr traf ich im Stadion ein und lernte die Athleten und Paralympics kennen. Ich war erstaunt und glücklich, dass auch Menschen mit Behinderung in einem afrikanischen Land gefördert werden, sogar sportlich. Nun bekam ich meinen Zeitplan und schaute den Athleten beim Training zu. Danach musste ich eine kleine Rede halten. Mann, war ich überrumpelt worden! Ohne Zeit zum Nachdenken zu haben, stellte ich mich vor und erzählte drauf los, was mir in den Sinn kam. Voll süß – alle haben geklatscht! Nachdem ich mit den Trainern den nächten Tag besprochen hatte, fuhr mich der jüngere Trainier namens Abdallah nach Mombasa zu meiner WG. Natürlich wollte er mich genau vor meiner Haustür absetzen, damit er weiß, wo ich wohnte, doch das Spiel hatte ich durchschaut. Ich stieg knappe 400 Meter vor der Seitenstraße ab. Da er wartete, stellte ich mich an einen Stand in die Schlange, um etwas zu kaufen. Zum Glück dauerte es ewig und so lange wollte er nicht warten, sodass er fuhr.

Mein erster, richtiger Arbeitstag begann um 5:40 Uhr. Mit dem Daladala fuhr ich zum Stadion, da um 6:30 Uhr das Training begann. Draußen war es um die Zeit noch dunkel. Nach einigen Stationen fragte ich einen Mitfahrer nach dem Amaani Stadion, weil ich mir nicht mehr sicher war, wo ich aussteigen musste. Leider stieg ich eine Station zu früh aus und musste laufen. Ich traf sofort einen der Paralympics, der mit mir zum Stadion ging. Wir kamen 15 Minuten zu spät an, doch das störte keinen.

Nach wenigen Begrüßungen versammelte sich meine Gruppe und sie begannen mit dem „Warm-up“. Der ältere Trainer erzählte mir etwas von der „Tanzania Competition“ in Dar es Salaam Ende Juli. Verstanden hatte ich, dass sie mich dorthin mitnehmen wollten, doch das glaubte ich nicht. Mal sehen! Nach dem „Warm-up“ kamen „Activities“ und das „Stretching“. Nun begannen wir mit dem Hauptprogramm. Ich startete mit Speer, erklärte die Technik, machte einen Wurf vor und korrigierte die Athleten. Professionell betreibe ich keine der Leichtathletikdisziplinen und hatte mein Wissen nur von meinen Trainingseinheiten. Deshalb war ich froh, dass unser Coachingteam aus drei Trainern bestand. Wie ich später merkte, bestand meine Gruppe aus Anfängern, aber auch sehr guten Athleten, die bei hohen Meisterschaften gestartet waren. Ich wunderte mich etwas, warum diese Sportler von mir gecoacht werden wollten. Um 8:15 Uhr war die eine Disziplin beendet und wir gingen zur Weitsprunggrube. Danach wurde gesprintet, wo wir die Zeiten der einzelnen Athleten nahmen. Gestartet wurden die Läufe durch einen Schuss mit einer Pistole. Doch ein Mädchen startete immer zu früh, immer beim Kommando „Auf die Plätze“. Sechs Fehlversuche später beschloss ich, etwas genervt und schmelzend in der Sonne, ohne Pistole den Start zu geben. Dann klappte es. Um 9:30 Uhr beendeten wir das Training und besprachen die folgenden Einheiten an den nächsten Tagen auf der Tribüne. Viele der Athleten gaben mir bei der Verabschiedung die Hand oder bedankten sich.

Als alle das Stadion verlassen hatten, wurde ich überrumpelt. Unter den neuen Athleten war einer vom Radio und wollte mich interviewen. Wie auch schon beim Training, versagten meine Englischkenntnisse vor Aufregung. Einigermaßen konnte ich seine Fragen beantworten, die er per Handy aufnahm.

Insgesamt gefiel mir meine Arbeit als Trainer bis jetzt sehr gut!

An meinem zweiten Arbeitstag begannen wir wieder mit dem Speerwurf. Danach wurden 400 Meter gesprintet. Auch Kinder kamen zu mir und fragten, ob sie 200 Meter sprinten dürften. Aber klar! Von drei jungen Männern wurde ich wegen längeren Strecken angesprochen, was mir als Mittelstreckenläuferin am liebsten ist. Leider war der ältere Trainer dagegen, da er keine Mittel- und Langstreckenläufer ausbilden wollte. Bei der Besprechung nach dem Training sprach wieder ein Athlet das Thema Mittel-/Langstrecke an. Nun willigte der Trainer ein und die Einheit war für den morgigen Tag geplant. In meiner kleinen Rede ermutigte ich die Gruppe auch eigene Vorschläge für das Training miteinzubringen, da wir gemeinsam Spaß am Training haben wollten.  

Der Start zum 3 und 5 Kilometerlauf

Wie geplant wurden an meinem dritten Arbeitstag drei und fünf Kilometer gelaufen. Die Zeiten waren in Ordnung. Nach den Läufen kam ein Journalist auf mich zu, diesmal vom Fernsehen. Er machte Aufnahmen vom Training, und obwohl ich es nicht wollte, musste ich ein Interview geben. Es war grauenhaft, aber alle fanden es toll! Danach lud er mich zu einer Fernsehshow ein. Ich war sehr skeptisch und sagte dankend ab, da ich mit anderen Freiwilligen schon einen Ausflug geplant hatte.

Nachdem wir Hochsprung gemacht hatten, war das Training beendet und die Besprechung begann. Ein Athlet begann plötzlich zu fordern, dass ich ihnen Equipment kaufen/ besorgen sollte, d. h. Sportkleidung, Sportgeräte wie Speere, Kugeln, Disken und die Ausstattung für Hoch- und Stabhochsprung. Ich war baff und sauer! Was antwortet man darauf? Ich versuchte die richtigen Worte zu finden, doch es gelang mir eher weniger. Als meine Worte auf Swahili übersetzt waren, war die Runde beendet. Keiner sagte mir auf Wiedersehen oder bedankte sich. Ich war sehr enttäuscht!

Am letzten Tag meiner Arbeit machten wir noch Gruppenfotos und ich bekam ein selbstgebautes Boot ganz typisch für Sansibar von einem Athleten geschenkt. Total lieb! Ich freute mich riesig darüber und wollte ihm und seinen Freunden auch gerne eine Kleinigkeit schenken. Leider sah ich keinen von ihnen mehr, was mich jetzt im Nachhinein ärgert! Trotzdem hat das Boot einen Ehrenplatz in meiner Vitrine zu Hause bekommen.

  

Trainingseinheiten am Strand von Mombasa

Da ich auch damals schon regelmäßig gelaufen bin, durfte das während meines Aufenthalts in Tansania nicht fehlen. Fast täglich stand ich morgens um 6:15Uhr auf, um noch bei angenehmen Temperaturen am Strand laufen zu gehen. Manchmal kamen meine Mitbewohner Matthias oder Rama (ein Einheimischer, in dessen Haus ich gewohnt habe und der sehr westlich eingestellt war) mit, sonst lief ich alleine. An einem Morgen lief ich bis nach Stone Town zu Nathanael, holte ihn ab und wir liefen zusammen zurück nach Mombasa in meine WG.

Dabei erlebte ich die unterschiedlichsten Dinge. Wenn Rama mit war, passierte nichts, da alle Respekt hatten und nicht in meine Nähe kamen. Bei Matthias störte das eher weniger. Ab und zu kamen junge Männer und quatschten uns an. Am Strand waren morgens immer verschiedene Gruppen, die Dehnübungen machten. Einmal gesellten wir uns auch dazu und machten mit. Bei jeder Übung wurde auf Swahili bis zehn gezählt:

mojaeins
mbilizwei
tatudrei
nnevier
tanofünf
sitasechs
sabasieben
naneacht
tisaneun
kumizehn

 

Bei einem Mal, als ich alleine am Strand entlang lief, lief eine ganze Weile ein Junge neben mir her. Wir quatschten ein bisschen auf Englisch, dann wollte er mir etwas zeigen, doch ich lief weiter. Das war mir nicht so ganz geheuer. Kurz bevor ich den Strand verließ, wollte er mir sein Armband verkaufen, was ich natürlich nicht annahm. Ich hatte auch kein Geld dabei, nur meinen Ipod.

Nun habt ihr einen kleinen Einblick in meine morgendlichen Sporterlebnisse bekommen!

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