Katrin Wöhlken

Praktikum beim Tierarzt „Mawenzi Vet" in Moshi beim Kilimanjaro

Am 1. August hatte ich meinen ersten Einsatz beim Tierarzt in Moshi. Die Tierarztpraxis war wenige Minuten vom „Clock tower“, der im Prinzip der Mittelpunkt Moshis war, entfernt. Die Praxis bestand aus einem großen Laden, der Futter, Futtersäcke und Medikamente verkaufte. Ich war etwas erschrocken, wahrscheinlich weil es dort so stank. Wonach, kann ich jedoch nicht beschreiben. Auf dem Sofa beim Eingang wartend, schaute ich einer Henne zu, die durch den Laden spazierte. Eine knappe halbe Stunde später packte eine Frau plötzlich das Tier am Hals und brachte es nach hinten. Kurz danach wurde ich dazu gerufen und fand zwei Männer am Waschbecken über der zappelnden Henne vor. Der Kopf des Tieres lag abgeschnitten daneben und trotzdem zappelte die Henne noch. Oh je, ich war so erstaunt, weil ich vorher nicht glauben wollte, dass Hühner ohne Kopf noch einige Sekunden weiterleben können. In diesem Augenblick ekelte ich mich aber auch ziemlich. Als das Zappeln endlich vorbei war, wurde das Tier aufgeschnitten, die Gedärme herausgeholt und obduziert. Ein Ei wurde noch entnommen, welches schon eine feste Schale hatte und eigentlich fertig zum Verzehr war. Hingegen waren noch drei weitere Eier im Körper der Henne, die dieses Stadium noch nicht erreicht hatten.

Nachdem ich etwas auf dem Sofa gewartet hatte, fuhr ich mit einem Doktor zu einem luxuriösen Haus, wo wir einem „Spitz“ eine Spritze gaben. Mir wurde angeboten, selber die Spitze zu setzen, doch ich wusste gar nicht, wie und wohin ich spritzen sollte, da ich ja kein Vorwissen hatte. Danach wechselte ich wieder zu Doktor Idi und fuhr mit ihm zu einer Hundekastration. Das Vesperfahren gefiel mir auch hier in Moshi immer noch nicht wirklich. Ich hatte solche Angst herunterzufallen bei den vielen Bodenwellen. Endlich am Ziel angekommen, kläfften zwei mittelgroße Hunde eingesperrt in einem Käfig. Erst bekam der Welpe der beiden eine Spritze. Wieder wurde ich gefragt, ob ich die Spritze nicht setzen möchte, doch ich war unentschlossen und wollte erst mal nur zuschauen.  Beim nächsten Mal, wollte ich es jedoch versuchen, da die Spritze nur unter das Fell gesetzt werden musste. Nun war das Männchen an der Reihe. Es sollte kastriert werden. Mit einer Spritze in den Vorderfuß wurde es betäubt. Das Tier hatte aber solch eine Power, dass die Betäubung es nur zum Wanken brachte. Deshalb bekam es noch eine Dosis, bevor die Operation auf dem Sandboden begann. Der Hodensack wurde aufgeschnitten, die Hoden flutschten heraus und wurden einfach abgeschnitten. Innerhalb von zehn Minuten war der Hund wieder zugenäht und wurde in den Käfig gelegt. Während des Aufräumens begann er schon zu bellen. Total süß und noch benommen, nahm er Kontakt mit dem Weibchen auf.

 

 

Am nächsten Tag machte ich mich mit Dr. Temba nach wenigen Minuten auf den Weg zu einem abgelegenen Haus in die Nähe des Kilimanjaro Christina Medical Centres. Dort hatte eine Ziege einen riesigen Abszess am Kinn. Mit einer Spritze wurde in diesen gepiekt und mit einem Messer aufgeschlitzt. Das ganze Sekret wurde herausgedrückt, bis keine Wölbung mehr zu sehen war. Die kleine Ziege schrie so schrecklich, was nachvollziehbar war, da sie keine Betäubung bekommen hatte. Mit einer lila Lösung wurde der Innenraum gereinigt. Danach machten wir uns auf den Rückweg. Beim Laden musste ich wieder warten, bis ich mit dem Doktor namens Idi zu einer Hundehalterin fuhr und wir den Hunden zwei Spritzen gaben. Wieder zurück kam ein Weißer aus Dänemark mit seinem Hund, der mit seinem Kameraden einen blutigen Kampf hatte. Im hinteren Teil des Ladens wurde das Tier auf einen Metalltisch gelegt und für das Nähen betäubt. Interessant zu sehen war, dass erst die untere und dann die obere Hautschicht zusammen genäht wurde. Mit dem Besitzer unterhielt ich mich prächtig während der Operation. Zu guter Letzt des Tages fuhr ich mit einem dritten Doktor zu einer Villa auf der Straße Richtung Flughafen. Dort wurde eine Kuh etwas in den Hintern gesteckt. Vorher und währenddessen steckte der Doktor seinen Arm, der komplett verschwand, in die Kuh. Na lecker! Auf dem Rückweg fuhren wir noch bei zehn Welpen vorbei. Super süß die Kleinen! Am liebsten hätte ich einen mitgenommen. Danach war mein Dienst für diesen Tag beendet.

In den nächsten Tagen wurden mehrfach Hennen aufgeschnitten und obduziert, was bestialisch stank. Immer wieder wurde die Todesursache untersucht. Mit einem Doktor fuhr ich nochmal zu einer Kuh, die mit anderen Kühen tierunwürdig gehalten wurde. Wie am Tag zuvor steckte der Doktor namens Patrick seinen Arm in den Hintern der Kuh und befruchtete sie durch eine Art Pumpe. Nicht so nett anzusehen. Aber das ist schließlich seine Arbeit. Nachdem ich wieder lange Zeit im Laden der Tierarztpraxis gewartet hatte, fuhren wir zu einer Massenschweinekastration. Ein Schwein nach dem anderen wurde über die mittlere Absperrung des Geheges gezogen, fünf Männer hielten es an den Vorder- und Hinterläufen fest und ohne Betäubung wurde es kastriert. Eine Frau und ein Mann schnitten den Hodensack auf, drückten den Hoden heraus, banden die Verbindung zum Körper ab und schnitten sie durch. Das Gleiche mit dem zweiten Hoden. Die Tiere schrien schrecklich laut. Es war eine Qual, es mit anzusehen. Mit dem Laufe der Zeit sammelten sich immer mehr Hoden auf dem Stallboden an und wurden von den jungen Schweinen beschnuppert. Ich musste die Fäden zum Abbinden der Hoden zurechtschneiden und parallel die Schweine davon abhalten, an die am Boden liegenden Hoden zu gehen. Die Frau hatte keine Handschuhe an und ihre Hände trieften irgendwann vor Blut. Das Messer zum Abtrennen wurde nicht gewechselt, auch wenn es kurz auf den Boden voller Mist fiel. Als die ausgewachsenen Schweine fertig waren, kamen die Jungtiere an die Reihe. Insgesamt wurden knapp 20 Schweine kastriert. Diese Operationen waren die extremsten, die ich beim Tierarzt in Moshi zu Gesicht bekommen habe!

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